Leseproben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

© 2014 pixabay.de

I.

Tad trug die Maschine ins Wohnzimmer, wo er besseres Licht hatte. Amber, die Perserkatze, fauchte kurz und sprang auf eines der Regale, von wo aus sie ihm aufmerksam zusah. Er sah sich den Fußantrieb an. Zwischen zwei gusseisernen Seitenteilen war eine gebogene Fußplatte eingesetzt, die mit einer Kurbelstange das Treibrad in Bewegung setzte.

Nach ungefähr zwei Stunden hatte Tad jede Kurbel, jedes Gelenk und jedes Lager geschmiert – ohne Erfolg. Die Maschine rührte sich nicht. Das war merkwürdig, denn bevor er sie auf den Tisch montiert hatte, hatte der Antrieb geschnurrt wie ein Kätzchen, wenn man fleißig mit den Füßen wippte, und die Maschine selbst hatte einwandfrei die Nadel nach oben und unten bewegt und den Transporteur von links nach rechts und zurück, wenn man sie am Treibrad bewegte. Nur im zusammengebauten Zustand rührte sich nichts. Anna, die mittlerweile ins Wohnzimmer gekommen war und den schwarzen Kater auf dem Schoß hatte, sah traurig drein.

Aufgeben war also keine Option. Einmal mehr hatte er die Maschine auf die Seite gelegt, um sie abzuschrauben, als er etwas sah. Zwischen dem Boden des Faches und der Seitenwand verlief ein schmaler Spalt, kaum einen halben Millimeter breit, der ihm bisher nicht aufgefallen war. Er pfiff durch die Zähne.

„Was ist?“ Anna sah ihm neugierig über die Schulter.

„Weiß nicht.“ Er griff nach dem kleinen Schraubenzieher und versuchte, ihn in den Spalt zu schieben. Der Boden ließ sich bewegen!

„Ein Geheimfach!“ Anna klatschte in die Hände. „Das ist ja toll!“

Der Spalt war jetzt etwa einen Millimeter breit und Tad griff nach einem größeren Schraubenzieher. Behutsam, um den Boden nicht zu beschädigen, drehte er die Klinge und sah, wie der Boden einige Millimeter weiterrutschte.

„Geht schwer. Ich brauche etwas Breiteres.“ Einen breiteren Schraubenzieher hatte Tad nicht, aber einen Steinmeißel, und den schob er jetzt in den Spalt. Damit gelang es ihm, den Spalt soweit aufzudrücken, dass er den Boden (oder war es eher ein Deckel?) mit den Fingern weiterschieben konnte.

„Ist was drin? Och komm schon, mach’s nicht so spannend!“

„Glaub schon“, brummte er. Langsam schob er den Boden weiter. Darunter sah er einen seltsamen Gegenstand, der ihn an einen Petschaft erinnerte, der anstelle eines Siegels aber ein winziges Brandeisen hielt, das wie ein „A“ geformt war. Daneben lag ein dünnes Notizbuch, in der Art wie ein Vokabelheft, dem vor hundert Jahren sein Umschlag abhanden gekommen war. Vergilbt war es,  und die Schrift auf seiner Vorderseite war kaum noch zu lesen. Es war eine altertümliche Handschrift, die Tad auf der Grundschule als Kuriosum kennengelernt hatte:

„Sütterlin“, brummte Tad, kniff die Augen zusammen, und begann, Anna den ersten Vers vorzulesen: „Leder und Zwirn … ich ver b i n d, zu … dem was du willst … mein liebes Kind.“

„Du kannst das lesen?“ Anna sah ihn fragend an.

„Ja. Meine Grundschullehrerin meinte, man müsse Sütterlin können, wenn einem die Oma den Einkaufszettel schreibt. ‚Ihr wollt doch nicht beim Kaufmann stehen und nicht wissen, was Ihr holen sollt‘, sagte sie immer. Deswegen haben wir in der dritten Klasse jede Schönschreiben-Stunde mit ein paar Minuten Sütterlin beendet. Den meisten von uns hat das Spaß gemacht.“ Er grinste. „Wurde ja auch nie abgefragt.“

Anna lächelte zurück. „Immerhin wissen wir jetzt, wessen Maschine das war.“

„Du meinst den letzten Namen, ja?“ Tad sah zu ihr auf und blätterte behutsam um. Ein Name stand, unterstrichen, am oberen Rand, darunter fand sich eine Liste von Gegenständen:

Auf der gegenüberliegenden Seite ging es weiter:

„Komisch,“ brummte Tad. „Alles durchgestrichen.“

„Nicht alles. Schau!“ Sie deutete auf ein Wort auf der rechten Seite.

„Das ist ein a, und das auch. Das ist ein b. a-b-a. aba.“ Tad stand auf und holte sich eine Lupe, denn die Schrift war sehr klein und zierlich.

„Das sieht wieder aus wie ein b. Und diese zwei komischen Striche sind ein e. e-u-t-e-l. Es muss Tabakbeutel heißen.“

„Und warum ist es nicht durchgestrichen wie all die anderen?“

„Keine Ahnung. Ich hab‘ ja auch keine Ahnung, warum all die anderen durchgestrichen sind.“


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II.

Kriminalhauptmeister Daichinger rieb sich die Augen. Er war müde und hungrig. Der Dienst, den er gestern Abend angetreten hatte, ging zu Ende. Er sah auf die Akte, die vor ihm auf dem Schreibtisch lag. 'Mordfall A. Feldmann' stand darauf, mit fettem, schwarzem Filzstift, und mit einem Kugelschreiber hatte jemand ein Aktenzeichen danebengekritzelt. War es das? Der grauenvolle Mord an einer Frau, die von den Medien als eine Art 'Heldin des Gemeinsinns' hochstilisiert wurde, und derentwegen sein Telefon heute kaum still gestanden hatte - nur ein weiterer Verwaltungsakt?


München galt als sicherste Großstadt Deutschlands. Klar, Morde kamen immer wieder mal vor, aber weit weniger als zum Beispiel in Frankfurt, von wo Daichingers Kollege Schneider gekommen war. Die Aufklärungsquote bei Kapitaldelikten lag hier sehr hoch - die Wahrscheinlichkeit, mit einem Mord davonzukommen, war praktisch gleich Null. Und trotzdem - irgendwie hatte Daichinger das Gefühl, dass dieser Fall nicht so bald gelöst werden würde.


Die Presse hatte ein paar Bilder gebracht, in denen Jugendliche in Kapuzenshirts rauchend auf einer Bank im Westpark saßen, und eine ältere Frau damit zitiert, sie habe 'schreckliche Angst, alleine durch den Park zu spazieren.' Und natürlich hatte ein Boulevardblatt mehr Polizeipräsenz im Viertel gefordert, und ganz besonders im Park.


Das vorläufige Ergebnis der Spurensicherung ergab, dass die Frau tatsächlich im Park ermordet worden war, und der vorläufige Befund des Gerichtsmediziners lautete auf stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Kopf. S-Bahnhöfe wurden mittlerweile nach mehreren Vorfällen mit Videokameras überwacht, bestimmte Brennpunkte des Verbrechens ebenfalls, aber der Westpark war bislang nicht durch besondere Gewalttätigkeiten aufgefallen. Vor ein paar Jahren war eine Frau vergewaltigt worden, und gelegentlich wurde ein Hundebiss gemeldet - aber Mord?


Und dann gleich so brutal. Daichinger sah das Gesicht des Gerichtsmediziners wieder vor sich, als der ihm erklärt hatte, solche Schädelverletzungen noch nie gesehen zu haben. Da muss jemand eine ganz besondere Wut gehabt haben, hatte er in breitem Münchner Dialekt erklärt. "Anders kann ich mir das nicht erklären." 


Er war als diensthabender Beamter zum Tatort gefahren. Der oder die Täter hatten der Frau den Schädel eingeschlagen und ihr alles von Wert abgenommen, selbst den Ehering. Der Mann der Toten hatte ihm seinen Ring gezeigt und gesagt, der seiner Frau sei mit Tad 10. Juli 1987 graviert gewesen. Sie hatte einen kleinen herzförmigen Anhänger mit einem Diamantsplitter darin getragen, an einer dünnen goldenen Kette. Ihre Geldbörse war verschwunden, mit allen Dokumenten, Kredit- und ec-Karten. Ohne die abgelaufene Payback-Karte in ihrer Manteltasche wäre es vermutlich unmöglich gewesen, sie so schnell zu identifizieren. 


Dann hatte der Mörder sie ins Gebüsch gezerrt, sie dort in einem flachen Loch verscharrt und mit Laub bedeckt. Er erinnerte sich, wie ihm übel geworden war, als sie ihm die Leiche gezeigt hatten. 


Gegen Mittag hatte ihn sein Chef angerufen und ihm einen jungen Kriminalbeamten vorgestellt, einen Hauptkommissar vom LKA. Es hatte sich herausgestellt, dass Frau Feldmann in ihrer Heimatstadt so etwas wie eine lokale Berühmtheit gewesen war, da konnte der Fall nicht in den Händen eines unerfahrenen Kriminalen bleiben, der erst seit einem halben Jahr bei der Mordkommission war. Er hatte den LKA-Beamten in aller Kürze in den Fall eingewiesen und den Auftrag bekommen, bis Schichtende die Akte 'übergabereif' zu machen, was immer das hieß.


Er griff nach dem Aktendeckel und warf die Akte angewidert in seinen Ausgangskorb. 


Na schön, dachte er grimmig und löschte das Licht über seinem Schreibtisch. Soll sich der Überflieger drum kümmern. Endlich mal pünktlich Feierabend.


*


Auch Dr. Weingärtner, diensthabender Gerichtsmediziner am Rechtsmedizinischen Institut der Uni München, machte Überstunden. Nicht, weil die Sache nicht klar gewesen wäre - der Toten waren das Jochbein und das Schädelbein zertrümmert worden, der halbe Unterkiefer war zu Splittern gemahlen, Zähne hatte er aus dem zertrümmerten Kehlkopf gezogen. Alles sah danach aus, als ob jemand die Frau systematisch zu Tode geprügelt hatte, mit ungeheurer Gewalt.


Aber genau das gab ihm zu denken. Seiner Erfahrung nach geschah ein solcher Mord nicht zufällig, nicht im Zuge eines Verbrechens, das als Raub begonnen hatte. Solche Gewalt kannte er aus Beziehungsdramen, wenn sich jahrelang aufgestauter Hass entlud. 


Als er bereits dabei war, seinen Bericht zu verfassen, sah er sich die Proben aus dem Gehirn der Toten noch einmal unter dem Mikroskop an. Und hier bemerkte er etwas, das ihn veranlasste, Kriminalhauptmeister Daichinger anzurufen. Der war schon gegangen, weswegen er ihm eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter hinterließ.


Die Tote war kein zufälliges Mordopfer, auch wenn alle Spuren in diese Richtung wiesen. Alle, mit einer Ausnahme: ihr Gehirn war regelrecht gekocht worden.


 

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III.

Theo setzte sich wieder ans Feuer und dachte an Anna. Es war völlig egal, ob sie lebte oder tot war – er musste sie finden und die Black Five wussten das. Eigentlich hatten sie keinen Grund, Anna am Leben zu lassen. Warum, zum Teufel, kehrte sie nicht einfach in ihre Welt zurück? 


Die Nacht war kühl und ihn fröstelte. Er gestand sich ein, dass er Angst fühlte, nicht die Kälte.


Dann legte er sich hin und schloss die Augen. Trotz allem war wichtig, dass auch er etwas Ruhe bekam.


                                                         *


Anna erwachte nicht einmal von dem Duft nach frischem Kaffee.  

Schließlich trugen sie sie und einige Vorräte auf das Boot und fuhren los. Sveas Boot hatten sie ins Schlepptau genommen und kippten es an der Südspitze von Nämdö um. Wenn es wie ein Unfall aussah, und Svea und Inger als vermisst galten, würden ihre Verfolger vielleicht aufgeben.


„Wo fahren wir hin?“ fragte Tad. Björn sah seinem aschfahlen Gesicht an, welche Sorgen er sich um Anna machte.


„Wir nehmen Kurs auf Gotland.“


Erst jetzt hatte Björn Gelegenheit, Tad von den jüngsten Entwicklungen zu berichten, von dem, was Svea berichtet hatte bis hin zu Annas rätselhaftem Verschwinden in der Innenwelt.


„Wir glauben, dass irgendetwas sie festhält. Deswegen kann sie nicht aufwachen.“


„Kommt so etwas öfter vor?“


Björn schüttelte den Kopf. 


„Nein. Nein, überhaupt nicht. So etwas ist eigentlich unmöglich.“


„Das Wort ‚unmöglich‘ habe ich aus meinem Wortschatz gestrichen“, antwortete Tad.


Björn nickte schweigend. 


„Was wird mit ihr?“ Tad sah in Richtung Svea.


„Was denkst du?“ Björn lächelte. „So eine Chance bekomme ich doch nicht wieder.“


Damit fing er leise an, ein altes schwedisches Volkslied zu pfeifen. Tad kannte die Melodie nicht, aber sie war hübsch und beruhigend. Er stieg wieder in die Kabine hinab, wo sie Anna in eine der Kojen gelegt hatten. Sie schien friedlich zu schlafen und man sah ihr nicht an, dass sie eigentlich im Koma lag. 


Verdammte Zauberei, dachte Tad, während er ihre Stirn abtupfte, auf der sich kleine Schweißperlen gebildet hatten. Verdammte Zauberer.


 

Nicht nur Annas Mann hat Grund, Magie zu hassen. Die ganze Geschichte gibt's ...

 

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